Autor: Dr. Ben Baak, Sportwissenschaftler & Gesundheitsmentor · Stand: 24. August 2026
Rauchen im öffentlichen Raum sollte dort verboten werden, wo andere Menschen dem Tabakrauch unfreiwillig ausgesetzt sind. Das ist meine klare Position, und ich erkläre gern warum ich diesen Standpunkt vertrete.
Es geht mir nicht darum, Raucher zu verurteilen. Es geht mir darum, dass Menschen, die sich bewusst gegen das Rauchen entschieden haben, an Bushaltestellen, vor Krankenhauseingängen und auf Spielplätzen nicht zu Mitrauchern gemacht werden.
Passivrauchen tötet – das ist keine Meinung, das ist Fakt
Tabakrauch enthält zahlreiche gesundheitsschädliche Stoffe. Die WHO bezeichnet Tabakkonsum als wesentlichen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Lungenerkrankungen und verschiedene Krebsarten. Für Passivrauch gilt: Es gibt keinen sicheren Expositionsgrad. Nach WHO-Angaben (26. Juni 2026) sterben weltweit jährlich mehr als 1,6 Millionen Nichtraucherinnen und Nichtraucher infolge der Exposition gegenüber Tabakrauch.
Schon wenige Zigaretten wirken
Eine große Metaanalyse von Allan Hackshaw und Kollegen (BMJ, 2018) mit 141 Kohortenstudien zeigt: Schon eine Zigarette täglich bringt bei Männern rund 46 Prozent des zusätzlichen Herzinfarktrisikos, das bei 20 Zigaretten täglich auftritt. Fünf Zigaretten täglich schon 57 Prozent. Es gibt für Herz-Kreislauf-Erkrankungen keinen sicheren Umfang des Rauchens. Diese konkreten Zahlen stammen aus Studien zu aktivem Rauchen – sie zeigen aber deutlich, wie wenig Dosis nötig ist, um das Risiko messbar zu erhöhen. Das schärft den Blick dafür, wie ernst wir auch Passivrauchbelastung nehmen sollten.
Im Freien verschwindet der Zigarettenrauch nicht einfach
„Draußen gibt es keinen Passivrauch“ – dieser Satz hält sich hartnäckig, ist aber schlicht falsch. Eine systematische Übersichtsarbeit von Xisca Sureda und Kollegen (Environmental Health Perspectives, 2013) zeigt: Auch im Außenbereich treten messbare Belastungen auf, besonders dort, wo viele Menschen rauchen, die Entfernung gering ist und Flächen teilweise abgeschirmt sind.
Eine Untersuchung aus dem europäischen TackSHS-Projekt (2017/2018, zwölf Länder inklusive Deutschland) macht das konkret. Nichtraucher berichteten von Tabakrauch:
- an Haltestellen des öffentlichen Verkehrs (69,9 %)
- in Parks (67,3 %)
- im Umfeld von Krankenhäusern (67,3 %)
- auf Café- und Restaurantterrassen (71,4 %)
Das sind genau die Orte, an denen wir warten müssen, uns aufhalten, auf dem Weg zum Arzt sind. Wer ein Krankenhaus betreten will, kann der rauchenden Person direkt am Eingang oft nicht ausweichen. Frag dich selbst: Wie oft bist du schon durch eine Rauchwolke am Eingang gelaufen, weil es keine Alternative gab?
Rauchverbote wirken – die Evidenz ist eindeutig genug
Eine 2021 im Lancet Public Health veröffentlichte Metaanalyse von Márta K. Radó und Kollegen zeigt: Rauchverbote in Fahrzeugen mit Kindern senken die Tabakrauchexposition deutlich. Und die These, Verbote im öffentlichen Raum würden das Rauchen einfach nach Hause verlagern, bestätigt sich nicht. Eine Metaanalyse von Faber und Kollegen zeigt, dass Rauchverbote im öffentlichen Raum nicht dazu führen, dass anschließend mehr im häuslichen Umfeld geraucht wird.
Die gesellschaftliche Akzeptanz ist längst da: Eine 2023 veröffentlichte Übersichtsarbeit mit 107 Studien und rund 896.000 Personen fand eine gepoolte Zustimmung von 69 Prozent für rauchfreie Außenbereiche wie Schulen, Spielplätze, Parks und Strände. Die Mehrheit will das. Die Politik hinkt hinterher.
Zur Einordnung: das große Bild
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben 2024 in Deutschland 339.212 Menschen an Krankheiten des Kreislaufsystems – rund ein Drittel aller Todesfälle, mehr als an Krebs. Diese Zahl zeigt nicht, wie viele Todesfälle direkt auf Passivrauchen zurückgehen – das wäre statistisch nicht sauber. Aber sie zeigt, in welcher Größenordnung wir uns bewegen, wenn wir über Herz-Kreislauf-Gesundheit sprechen. Und jeder Baustein, der dieses Risiko unnötig erhöht, verdient unsere Aufmerksamkeit.
Häufige Fragen zum Rauchen im öffentlichen Raum
Ist Passivrauchen gesundheitsschädlich?
Ja, eindeutig. Die WHO stuft Tabakrauch als erheblichen Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen ein. Und: Es gibt keine Menge Passivrauch, die als unbedenklich gilt – auch kurze oder geringe Belastung kann der Gesundheit schaden.
Ist eine Zigarette am Tag gesundheitlich unbedenklich?
Nein. Laut Hackshaw et al. (2018) hatten Männer, die nur eine Zigarette täglich rauchten, bereits rund 46 Prozent des zusätzlichen Herzinfarktrisikos von Menschen, die 20 Zigaretten täglich rauchten. Das Risiko steigt also nicht proportional zur Menge – schon eine einzige Zigarette am Tag schlägt überproportional stark zu Buche.
Wie groß muss die Distanz zwischen Raucher und Passivraucher sein, um ein Risiko zu vermeiden?
Eine feste „sichere“ Distanz gibt es nicht. Laut der Übersichtsarbeit von Sureda et al. (2013) hängt die tatsächliche Belastung von mehreren Faktoren gleichzeitig ab: der Entfernung zur rauchenden Person, der Zahl der Rauchenden, Windrichtung und -geschwindigkeit sowie davon, wie offen oder abgeschirmt ein Ort ist. Je geringer der Abstand und je mehr Rauchende an einem Ort, desto höher die Belastung.
Sollte Rauchen an Bushaltestellen und vor Krankenhäusern verboten werden?
Aus meiner Sicht klar ja. Menschen müssen dort warten – und es darf nicht ihre Aufgabe sein, sich selbst vor dem Rauch anderer zu schützen. Genau an diesen konkreten Orten sollte ein Verbot mit höchster Priorität gelten.
Mein Fazit: Zeit für klare Regeln für Raucher
Raucher spielen mit ihrer eigenen Gesundheit. Das ist ihr gutes Recht, und ich maße mir nicht an, das zu bewerten. Aber ich halte es für eine Grenzüberschreitung, wenn andere Menschen diesem Risiko ungefragt mit ausgesetzt werden. Deshalb spreche ich mich klar für ein Rauchverbot an Bushaltestellen, in Parks und vor Krankenhäusern aus.
Quellen
- Hackshaw, A.; Morris, J. K.; Boniface, S.; Tang, J.-L.; Milenković, D. (2018): Low cigarette consumption and risk of coronary heart disease and stroke: meta-analysis of 141 cohort studies in 55 study reports. The BMJ, 360:j5855.
- Sureda, X.; Fernández, E.; López, M. J.; Nebot, M. (2013): Secondhand tobacco smoke exposure in open and semi-open settings: a systematic review. Environmental Health Perspectives, 121(7), 766–773.
- Radó, M. K. et al. (2021): Effect of smoke-free policies in outdoor areas and private places on children’s tobacco smoke exposure and respiratory health: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Public Health, 6(8), e566–e578.
- TackSHS Study Group (2021): Secondhand smoke presence in outdoor areas in 12 European countries. Environmental Research.
- World Health Organization (26. Juni 2026): Tobacco and nicotine.
- Statistisches Bundesamt (2. Februar 2026): Sterblichkeit aufgrund von Krebs geht in nahezu allen Altersgruppen zurück. Todesursachenstatistik 2024.


